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Lebendig. Vielseitig. Richtungsweisend.

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Grafik zeigt Wolkendarstellung mit den Umrissen bedeutender Gebäude des Rheinlandes. Das Foto zeigt eine große Menschenmenge beim LVR-Tag der Begegnung.

60 Jahre politische Steuerung

Zeitstrahl mit den Meilensteinen 1953-2013

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Startpunkt

1953

Gründung der Landschaftsverbände

Mit der Veröffentlichung der Landschaftsverbandsordnung Nordrhein-Westfalen am 12. Mai 1953 werden die kommunalen Regionalverbände LVR (Landschaftsverband Rheinland) und LWL (Landschaftsverband Westfalen- Lippe) geschaffen. Am 1. Oktober 1953 nimmt der LVR in Düsseldorf seine Arbeit auf. Er unterhält unter anderem psychiatrische Kliniken im Rheinland, betreibt das Rheinische Landesmuseum Bonn und ist verantwortlich für die Denkmalpflege. Zudem plant, baut und unterhält er die Straßen im Rheinland. Von Anfang an gehört die Unterstützung von Menschen mit Behinderung zu den Kernaufgaben des LVR. Er ist als überörtlicher Träger der Sozialhilfe und der Kriegsopfer- und Schwerbehindertenfürsorge für zahlreiche Hilfen für Menschen mit Behinderung zuständig. Der LVR beschäftigt rund 5 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat einen Etat in Höhe von 296 Millionen Deutschen Mark.

1954

Fertigstellung der Rheinbrücke Rodenkirchen

Nach nur zweijähriger Bauzeit wird die Rheinbrücke bei Rodenkirchen für den Verkehr freigegeben. Von 1990 bis 1994 wird die Brücke von der Straßenbauverwaltung des LVR auf doppelte Breite mit einem erstmalig angewandten Bauprinzip erweitert.

1955

Übernahme des Autobahnbaus

1955 werden die Aufgaben des LVR im Straßenbau um die Verwaltung von Bundesautobahnen und Bundesstraßen sowie teilweise die Unterhaltung von Kreisstraßen erweitert. Damit ist der LVR für den überwiegenden Teil des überlokalen rheinischen Straßennetzes mit rund 10000 Kilometern Länge verantwortlich.

1957

Übernahme der Landesbildstelle Rheinland

Die bisherige Landesbildstelle Niederrhein wird als Landesbildstelle Rheinland in gemeinsamer Trägerschaft mit der Landeshauptstadt Düsseldorf übernommen. Die Landesbildstelle richtet in den 1990er Jahren ihre Arbeit neu aus. Sie wird Mediendienstleister für den LVR und seine Mitgliedskörperschaften und heißt heute LVR-Zentrum für Medien und Bildung.

1959

Umzug der Zentralverwaltung nach Köln

Der Sitz der Zentralverwaltung des LVR wechselt von Düsseldorf nach Köln.

1960

Fertigstellung Autobahn Aachen – Köln

1960 wird die Autobahn zwischen Aachen und Köln, die zu den wichtigsten Ost-West-Verbindungen gehört, von der Straßenbauverwaltung des LVR fertiggestellt.

1961

Eröffnung des Rheinischen Freilichtmuseums Kommern

Das Rheinische Freilichtmuseum Kommern wird 1961 eröffnet. Das mittlerweile in LVR-Freilichtmuseum Kommern umbenannte Haus zeigt, wie früher im Rheinland gelebt und gearbeitet wurde. Auf dem Gelände stehen 65 historische Gebäude – Bauernhöfe, Wind- und Wassermühlen, Werkstätten, Schulhaus, Tanzsaal und Kapelle. Bereits 1969 erfolgt der Ausbau zum Landesmuseum für Volkskunde im Freilichtmuseum Kommern.

1962

Gründung LVR-Infokom

Das IT-Systemhaus wird gegründet. Als eigenständiger Betrieb versorgt LVR-InfoKom den gesamten Verband sowie weitere Kunden mit modernen IT-Dienstleistungen. Besondere Expertise hat LVR-InfoKom bei Aufgaben im kommunalen Bereich, insbesondere für Verwaltungen, kommunale Betriebe, Kliniken, Schulen und kulturelle Institutionen.

1965

Entstehung „beschützende und geschützte Werkstätten“

Sogenannte „beschützende und geschützte Werkstätten“ für Menschen mit Behinderung entstehen im Rheinland in größerer Zahl. Der LVR ist bis heute Kostenträger für diese Werkstätten.

Komplettierung des Kölner Autobahnrings

Köln ist die erste deutsche Stadt mit einem vollständigen Autobahnring. Für den Bau des dichten Autobahnnetzes im Rheinland unterhält der LVR zeitweise bis zu acht Fernstraßen-Neubauämter.

Die Grafik zeigt eine historische Zeichnung der Anstalt in Brauweiler.

1969

Übernahme der Zuständigkeit für Sonderschulen

Neben Gemeinden und Kreisen werden auch die Landschaftsverbände Träger von Sonderschulen (heute: Förderschulen). Ab 1972 übernimmt der LVR neben einer Blindenschule und fünf Gehörlosenschulen nach und nach auch die Beschulung sehbehinderter, schwerhöriger, körperbehinderter, sprachbehinderter (Sekundarstufe I) und psychisch kranker Kinder. Als Schulträger besitzt der LVR eine lange Tradition. Denn schon sein Vorgänger, der Provinzialverband der Rheinprovinz, sorgte für die Beschulung von blinden und gehörlosen Kindern und Jugendlichen.

Umstrukturierung der Landeskrankenhäuser

Beim Umstrukturierungsprozess der Landeskrankenhäuser des LVR (heute LVR-Kliniken) in psychiatrische Fachkrankenhäuser geht es um die Beendigung der Diskriminierung und Stigmatisierung psychisch Kranker, die Wahrung ihrer Menschenrechte sowie um soziale Gerechtigkeit und Gleichstellung und um eine qualitätsstarke Behandlung. Der Anfang wird mit der Umstrukturierung der Arbeitsanstalt Brauweiler für Suchtkranke in ein psychiatrisches Fachkrankenhaus mit 550 Betten gemacht und 1972 abgeschlossen.

Beschluss zur Einrichtung der Landesklinik Köln als Stadtklinik

Ziel war es, für die Menschen in der Region eine ortsnahe und zentrale psychiatrische Versorgung zu gewährleisten. Heute trägt die Landesklinik Köln den Namen LVR-Klinik Köln.

1972

Erlass neuer Richtlinien für die Heimerziehung

Das Landesjugendamt Rheinland (heute LVR-Landesjugendamt) erlässt neue Richtlinien für die Heimerziehung. Diese gewähren den Kindern und Jugendlichen in den Heimen eigene Rechte. Ebenso wird eine Rahmenplanung erarbeitet, die auf eine Umorientierung auf Bildungserwerb, verstärkte Heimdifferenzierung und Nachsorge zielt. Bis heute ist der LVR Träger von Jugendhilfe-Einrichtungen; im LVR-Landesjugendamt ist die Heimaufsicht angesiedelt.

1973/74

Entstehung der Rheinischen Landesund Hochschulklinik Essen

Der LVR übernimmt die Trägerschaft der Psychiatrischen Klinik des Universitätsklinikums Essen mit 160 Betten der Allgemeinen Psychiatrie. Damit entsteht die Rheinische Landes- und Hochschulklinik Essen, die heute LVR-Klinikum Essen heißt.

1974

Bau von Standardbettenhäusern in Kliniken des LVR

Die kommunale Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen (1966–75) führt zur Neufestlegung der Versorgungsgebiete der psychiatrischen Fachkrankenhäuser im Rheinland. Es beginnt der Bau von Standardbettenhäusern an fünf Klinikstandorten im Rheinland mit über 1000 Betten. Ziel der Errichtung der nach einem einheitlichen Plan konzipierten Stationshäuser ist die möglichst kurzfristige und flächendeckende Verbesserung der Unterbringung und Versorgung bzw. Behandlung psychisch kranker Menschen.

Verabschiedung Schwerbehindertengesetz Nordrhein-Westfalen

Das neue Schwerbehindertengesetz setzt den modernen Gedanken der umfassenden Rehabilitation behinderter Menschen um. Zuständig für die Unterstützung der schwerbehinderten Menschen im Rheinland ist auch der LVR.

Eröffnung Regionalmuseum Xanten

Die bei den Grabungen in Xanten geborgenen Fundstücke werden in der Außenstelle des Rheinischen Landesmuseums, im neu eingerichteten Xantener Regionalmuseum präsentiert. Heute sind die Funde im 2008 eröffneten LVR-Römermuseum beheimatet.

1975

Veröffentlichung Psychiatrie-Enquete

Die Psychiatrie-Enquete-Kommission der Bundesregierung unter Vorsitz von Prof. Dr. Caspar Kulenkampff (LVR) legt den Bericht zur Lage der Psychiatrie in Deutschland vor. Kernforderungen der Enquete sind: ortsnahe Behandlung für psychisch Kranke, Normalisierung der Wohn- und Betreuungssituation von Langzeitpatientinnen und -patienten sowie eigenständige heilpädagogische Betreuung von Menschen mit geistiger Behinderung.

Schaffung des Rheinischen Amtes für Landes- und Volkskunde

Das Rheinische Amt für Landes- und Volkskunde (heute: LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte) wird 1975 geschaffen. Es hat die Aufgabe der Dokumentation im Bereich der Sachkultur, der Erforschung der Sitte und des Brauchtums, des Erzählgutes, der Sprache, des Städteatlasses und der seit Anfang der sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts betriebenen volkskundlichen Filmdokumentation.

Das Foto zeigt Säulen des Hafentempels im Archäologischen Park Xanten.

1977

Eröffnung des Archäologischen Parks Xanten

Auf dem Gelände der einstigen Römerstadt Colonia Ulpia Traiana lädt Deutschlands größtes archäologisches Freilichtmuseum, das heute LVR-Archäologischer Park Xanten heißt, zu einem anregenden Ausflug in die Geschichte ein. Rekonstruierte Bauten vermitteln eine detaillierte Vorstellung vom Leben in der römischen Provinz.

1978

Aufnahme schwerstbehinderter Kinder in Sonderschulen

Ein Runderlass des Kultusministeriums Nordrhein-Westfalen ermöglicht die Aufnahme schwerstbehinderter Kinder in Sonderschulen.

Übernahme Anna-Freud-Schule

Der LVR übernimmt die Anna-Freud-Schule von der Stadt Köln (heute: LVR-Anna-Freud-Schule) – die erste Schule, an der körperbehinderte Jugendliche die mittlere Reife und das Abitur erwerben können. Sie ist bis heute die einzige Schule dieser Art in Nordrhein-Westfalen und den angrenzenden Bundesländern.

Schließung des Landeskrankenhauses Brauweiler

Nach einer Reihe von Skandalen und massiven Protesten wird das Landeskrankenhaus Brauweiler geschlossen.

1979

Eröffnung des Neubaus der Rheinischen Landesklinik Bonn

Die Landesklinik Bonn (heute: LVR-Klinik Bonn) wird größtenteils abgerissen und neu errichtet. Um eine patientenzentrierte Therapie zu gewährleisten, wird das Personal der Klinik aufgestockt.

1980

Teilhabe am Arbeitsleben in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM)

Mit der bundesweit gültigen Werkstätten-Verordnung erhalten Menschen mit Behinderung einen Anspruch auf Teilhabe am Arbeitsleben. Der LVR ist zuständig für die Planung und Finanzierung von Werkstatt-Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung.

Verabschiedung des ersten Denkmalschutzgesetzes für Nordrhein-Westfalen

Mit dem Gesetz erhält der Denkmalschutz in Nordrhein- Westfalen eine neue Rechtgrundlage. Der LVR benennt seine Dienststelle „Landeskonservator Rheinland“ in „Rheinisches Amt für Denkmalpflege“ um (heute: LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland).Bereits zuvor war der LVR auf Basis preußischer Gesetze dafür zuständig, Denkmäler zu beschreiben, zu erforschen und deren Wert in der Öffentlichkeit zu vermitteln.

1980/81

Gründung von Heilpädagogischen Heimen (HPH)

Geistige Behinderung ist keine Krankheit – dieser Erkenntnis Rechnung tragend, werden die entsprechenden Bereiche der Rheinischen Landeskliniken (heute LVR-Kliniken) aufgelöst. In den HPH soll Menschen mit geistiger Behinderung ein Leben so normal wie möglich und mit so viel Unterstützung wie nötig ermöglicht werden. Die Heime entstehen in Bedburg-Hau, Bonn, Düren, Langenfeld und Viersen.

1984

Planungsstart für Rheinisches Industriemuseum

Die Planungen für das Rheinische Industriemuseum (heute: LVR-Industriemuseum), das heute LVR-Industriemuseum heißt, beginnen. Insgesamt sind sechs Museumsschauplätze und eine Museumszentrale in Oberhausen geplant. Die Schauplätze (heute: LVR-Museen) werden nacheinander eröffnet:

  • 1996 Engelskirchen in der historischen Baumwollspinnerei Ermen & Engels
  • 1996 Ratingen in der historischen Textilfabrik Cromford
  • 1997 Oberhausen in der historischen Zinkfabrik Altenberg
  • 1998 Lagerhaus der Oberhausener Gutehoffnungshütte (GHH) wird zentrales Sammlungsdepot des Rheinischen Industriemuseums
  • 1999 Bergisch Gladbach in der historischen Papiermühle Alte Dombach
  • 1999 Solingen in der historischen Gesenkschmiede Hendrichs
  • 2000 Euskirchen in der historischen Tuchfabrik Müller

Festlegung des Grundsatzes „ambulant vor stationär“

Das Bundessozialhilfegesetz schreibt mit der Novellierung 1984 den „Vorrang offener Hilfen“ – also ambulanter Unterstützung – vor. Es entsteht die erste Außenwohngruppe im Bereich der heilpädagogischen Heime des LVR.

Das Schwarz-weiß-Foto zeigt eine Außenansicht der Abtei Brauweiler.

1985

Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und Eröffnung der ersten Ausstellung zur NS-Geschichte in einer psychiatrischen Klinik

In der LVR-Klinik Langenfeld wird erstmalig die Geschichte einer psychiatrischen Klinik während der Zeit des Nationalsozialismus im Rahmen einer Ausstellung aufgearbeitet. Im Rheinland wurden während des Nationalsozialismus – auch in Krankenhäusern des Provinzialverbandes, die der LVR übernommen hat – fast 10 000 Psychiatriepatientinnen und -patienten getötet. In der Folge arbeiten die Kliniken und andere Einrichtungen des LVR kritisch ihre Geschichte während der NS-Zeit auf.

Umnutzung Abtei Brauweiler

Nach der Schließung der Landesklinik Brauweiler werden die historischen Gebäude von 1978 bis 1985 restauriert. Nacheinander ziehen im heutigen LVR-Kulturzentrum Abtei Brauweiler die Museumsberatung, die Denkmalpflege und die Archivberatung ein.

1986

Einrichtung einer Gleichstellungsstelle beim LVR

Um der gesellschaftlichen Benachteiligung von Frauen entgegenzuwirken, wird 1986 die Gleichstellungsstelle eingerichtet. Heute heißt sie LVR-Stabsstelle Gleichstellung und Gender Mainstreaming und sorgt dafür, dass im LVR die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern in allen Handlungsfeldern gleichermaßen berücksichtigt werden.

Inbetriebnahme des „Forensischen Dorfs“ in Düren

In Düren wird einer der ersten Neubauten für den Maßregelvollzug nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnet. Das „Forensische Dorf“ setzt wegen seines hohen Sicherheitsstandards, aber auch wegen der sehr guten patientenbezogenen Unterbringungs- und Behandlungsmöglichkeiten national und international Maßstäbe.

1987

Förderung Sozialpsychiatrischer Zentren

Der LVR beginnt mit der „freiwilligen“ Förderung von zehn Sozialpsychiatrischen Zentren (SPZ) im Rheinland. Er verfolgt das Ziel, gemeindenah vernetzte und patientenbezogene Versorgungsstrukturen auf- und auszubauen.

Schaffung des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege

Aufgabe des neuen Amtes in Bonn ist es, das archäologische Kulturerbe des Rheinlandes zu schützen, zu erforschen und zu bewahren. Ebenso soll dieses Erbe erfasst, dokumentiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Weitere Aufgabe des heutigen LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland ist die Beratung von Kommunen sowie Bürgerinnen und Bürgern.

Gründung der Rheinland Verlag- und Betriebsgesellschaft mbH

Als 100-prozentige Tochter des Landschaftsverbandes Rheinland betreut die heutige Rheinland Kultur GmbH die Museen des LVR auf allen Gebieten des modernen Museums- und Kultur-Managements. Weiterhin ist das Unternehmen Partner des LVR wenn es um Fragen des Veranstaltungs- oder Facility-Managements geht.

Gründung des Referats Umweltschutz

Das Referat Umweltschutz (heute: LVR-Fachbereich Umwelt) nimmt innerhalb des LVR die Umwelt schützende und schonende Aufgaben wahr und fördert die Erhaltung, Pflege und Entwicklung der historisch geprägten Kulturlandschaften im Rheinland.

1988

Bau von Verkehrssteuerungsanlagen

Der LVR baut erstmalig in Deutschland automatische Verkehrssteuerungsanlagen auf Bundesfernstraßen.

1990

Start Enthospitalisierungsprogramm für Langzeitpatientinnen und -patienten

Mit dem Programm, das ein Volumen von 70,5 Millionen Deutschen Mark hat, werden Maßnahmen zur Entlassung und Ausgliederung von Langzeitpatientinnen und -patienten aus den Rheinischen Kliniken (heute LVR-Kliniken) und deren Eingliederung in selbstständige Wohnformen gefördert. Das Programm wird 1997 um weitere 30 Millionen Deutsche Mark aufgestockt.

1991

Verabschiedung Kinder- und Jugendhilfegesetz durch den Bundestag

Das Kinder- und Jugendhilfegesetz vollzieht den Wandel von der staatlichen Eingriffsverwaltung zur freiwilligen Inanspruchnahme von Angeboten, verbunden mit dem Recht auf Hilfeleistungen durch Beratung, Förderung und den Hilfen zur Erziehung. Der LVR finanziert über das LVR-Landesjugendamt viele solcher Hilfen.

Dezentralisierung in LVR-HPHs

20 Prozent der durch die LVR-HPHs (heute LVR-Verbund Heilpädagogischer Hilfen) betreuten Menschen mit geistiger Behinderung leben nicht mehr auf den Klinikgeländen, sondern in kleinen, betreuten Wohnformen in Städten und Gemeinden. Der Prozess dauert an: 1998 sind es bereits 50 Prozent; heute leben nur noch zwei Prozent der begleiteten Menschen auf den Klinikgeländen.

1992

Beschluss zum Aufbau der LVR-Heilpädagogischen Zentren (HPZ)

Mit dem Beschluss zum Aufbau der LVR-HPZ wird der Grundstein gelegt, um differenzierte Förder-, Bildungsund Beschäftigungsmöglichkeiten auch für außerhalb der eigenen Einrichtungen lebende behinderte Menschen aufzubauen. Die LVR-HPZ bieten zudem Beratungsangebote und verbessern die Integration in die Region. Das erste LVR-HPZ eröffnet 1997 in Geldern. Inzwischen gibt es 22 HPZ im Rheinland.

1995

Entwicklung der Verbundstruktur Heilpädagogischer Hilfen

Von 1995 bis 2006 werden fünf unselbständige Bereiche an Kliniken zu drei Eigenbetrieben. 2006 werden sie zum Netzwerk Heilpädagogischer Hilfen mit den Betrieben HPH-Netz Niederrhein, HPH-Netz Mittelrhein-Ost und HPH-Netz Mittelrhein-West zusammengeführt. Heute heißt das Netzwerk LVR-Verbund Heilpädagogischer Hilfen.

Das Foto zeigt einen Jungen vor einem Monitor sitzend an einem behindertengerecht ausgestatteten Schülerarbeitsplatz.

1998

Diskussion um Auflösung der Landschaftsverbände

Ministerpräsident Wolfgang Clement stößt im Zuge seiner Pläne, die Verwaltungsstruktur zu straffen, eine Diskussion um eine mögliche Auflösung der Landschaftsverbände an. Mit dem 2. Verwaltungsmodernisierungsgesetz wird im Jahr 2000 das Fortbestehen der Landschaftsverbände als wichtiger Akteur der kommunalen Selbstverwaltung gesichert. Auf dessen Grundlage werden die Aufgaben des LVR in den Bereichen Straßenbau und Straßenunterhaltung 2001 der Landesverwaltung zugeordnet.

Einführung der Agenda 21 beim LVR als bundesweit erster Verwaltung

Die Agenda 21 ist ein weltweites Aktionsprogramm, das die Gesellschaft auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts vorbereiten will. Das Leitbild der Agenda 21 wurde 1992 auf der Umweltkonferenz in Rio de Janeiro festgelegt und beinhaltet das Prinzip der „Nachhaltigen Entwicklung“. Für den LVR bedeutet die Einführung der Agenda, seine Dienstleistungen und Strukturen so auszurichten, dass sie gleichermaßen umweltverträglich, sozial gerecht und wirtschaftlich tragfähig sind.

Bereitstellung von Finanzmitteln für behindertengerechte Ausstattung in allgemeinen Schulen (ab 1998)

Der LVR stellt freiwillige Finanzmittel für kommunale Schulträger zur behindertengerechten Ausstattung von Schülerarbeitsplätzen in allgemeinen Schulen im Rahmen des Gemeinsamen Unterrichts (Geräte- und Finanzpool) bereit.

Eröffnung des LVR-Freilichtmuseums Lindlar

Mit dem Schwerpunkt Umwelt und Ökologie zeigt das Freilichtmuseum, wie Menschen vor 100 Jahren mit der Natur gelebt und gearbeitet haben. Der Museumsbetrieb erhält alte Nutztierrassen und Obstsorten.

Erster „Tag der Begegnung“

Ein Urteil gegen eine Wohngruppe von Menschen mit geistiger Behinderung, denen durch die Klage eines Nachbarn die Gartennutzung untersagt wurde, löst eine Welle der Empörung aus. Der LVR beschließt, mit einer zentralen Veranstaltung für Menschen mit und ohne Behinderung für mehr Akzeptanz und ein selbstverständliches Miteinander zwischen Menschen mit und ohne Behinderung zu werben. Seitdem hat sich der „Tag der Begegnung“ zu Europas größtem inklusiven Familienfest entwickelt. Seit 2005 gibt es außerdem den Staffellauf von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderung durch das Rheinland – die „Tour der Begegnung“ (ehemals: „Integratour“).

1998/99

Übernahme neuer Rolle im Maßregelvollzug

Das Land Nordrhein-Westfalen übernimmt den bisher kommunal organisierten Maßregelvollzug, also die Unterbringung psychisch kranker Straftäter, als staatliche Aufgabe. Die Direktoren der Landschaftsverbände erhalten die Stellung einer unteren staatlichen Maßregelvollzugsbehörde, die Landschaftsverbände sind weiterhin Träger der entsprechenden Einrichtungen. Für die Fachaufsicht wird auf Landesebene die Behörde des Landesbeauftragten für den Maßregelvollzug geschaffen.

2000

LVR wird Partner in e-nitiative.nrw – Netzwerk für Bildung

Das LVR-Zentrum für Medien und Bildung wird auf Vorschlag der kommunalen Spitzenverbände kommunaler Partner des Ministeriums für Schule und Weiterbildung in der e-nitiative.nrw – Netzwerk für Bildung.

2001

Start des ersten Integrationsunternehmens im Rheinland

Das LVR-Integrationsamt unterstützt Menschen mit Behinderung im Beruf und ihre Arbeitgeber durch Beratung, Begleitung und finanzielle Förderung. Im Oktober 2001 geht mit der Wäscherei „Volldampf“ in Köln das erste Integrationsunternehmen im Rheinland an den Start: 20 Menschen arbeiten hier – die Hälfte von ihnen sind Frauen und Männer mit Handicap.

Straßenbau geht an das Land über

Die bisherigen Aufgaben des LVR in den Bereichen Straßenbau und Straßenunterhaltung ordnet das Land Nordrhein- Westfalen zum 1. Januar 2001 dem neu gebildeten Landesbetrieb Straßenbau zu. Grundlage ist das 2. Verwaltungsmodernisierungsgesetz. Die hiergegen gerichtete Verfassungsbeschwerde hat zwar beim Verfassungsgerichtshof keinen Erfolg, in der Entscheidung des Gerichts wird jedoch die Stellung der Landschaftsverbände als kommunale Selbstverwaltungskörperschaften bekräftigt.

2003

Eröffnung des Neubaus des Rheinischen Landesmuseums Bonn

Der Neu- und Umbau wird als Themenmuseum eröffnet und zeigt Zeitabschnitte menschlicher Kulturgeschichte. Das Haus heißt heute LVR-LandesMuseum Bonn.

LVR erhält Gesamtzuständigkeit für Wohnhilfen

Das Land Nordrhein-Westfalen überträgt dem LVR und dem LWL, zunächst befristet, die Gesamtzuständigkeit für alle Wohnhilfen für Menschen mit Behinderung. Bis dahin waren die Landschaftsverbände nur für die Unterbringung im Wohnheim finanziell zuständig. Der LVR beginnt mit dem Ausbau von ambulanten Betreuungsangeboten – mit Erfolg. Laut Koalitionsvertrag der aktuellen Landesregierung NRW sollen die Landschaftsverbände auch in Zukunft für ambulante und stationäre Wohnhilfen zuständig bleiben.

Das Foto zeigt zwei Frauen am Tisch sitzend im Gespräch.

2004

Einführung Individuelle Hilfeplanung

Der LVR richtet seine Instrumente konsequent am individuellen Unterstützungsbedarf des jeweiligen Menschen mit Behinderung aus und führt den „Individuellen Hilfeplan“ für die Wohnhilfen ein.

Entstehung KoKoBe-Beratungsnetz

Als Unterstützung für die Menschen mit Handicap, die mit ambulanter Unterstützung in der eigenen Wohnung leben, knüpft und finanziert der LVR ein rheinlandweites Netz von Anlauf- und Beratungsstellen: In allen Städten und Kreisen entstehen die KoKoBe, die Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstellen für Menschen mit geistiger Behinderung.

Bezug des LVR-Archiv-Neubaus in Brauweiler

Im Archiv finden sich alle historischen Unterlagen aus der Arbeit des LVR und seines Vorgängers in der ehemaligen preußischen Rheinprovinz beziehungsweise im Landesteil Nordrhein. Hierzu zählen beispielsweise Dokumente zu Themen wie Wege- und Straßenbau, Fürsorge für Arme, Jugendwohlfahrt, Behindertenwesen, Gesundheitswesen und Kultur.

2005

Offener Ganztag startet erstmalig an einer LVR-Förderschule

Zum Schuljahresbeginn 2005/2006 wird die Düsseldorfer LVR-Johann-Heidsiek-Schule, Förderschwerpunkt Hören und Kommunikation, als erste LVR-Schule zur Offenen Ganztagsschule (OGS).

2006

Projektstart „Aufarbeitung der Zwangsarbeit während der NS-Zeit“

Der LVR startet ein Projekt zur Aufarbeitung der Zwangsarbeit im Rheinland während der Zeit des Nationalsozialismus. Ehemalige Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine kommen auf Einladung des LVR nach Deutschland. Ein Jahr später besuchen Mitarbeiterinnen des LVR die Zwangsarbeiterinnen in der Ukraine. Das Schicksal von zehn Ukrainerinnen wird als Ausstellung „Riss durchs Leben“ aufgearbeitet, die 2007 im Landeshaus eröffnet wird.

Unterzeichnung des Vertrags zur Landesinitiative Substanzerhalt

Die Landesinitiative Substanzerhalt (LISE) ist ein Projekt zur Entsäuerung von Archivgut und richtet sich an alle nichtstaatlichen Archive im Rheinland. Es wird vom Land Nordrhein-Westfalen finanziert und von den Landschaftsverbänden auf Grundlage eines Vertrages umgesetzt.

Das Foto zeigt mehrere Jugendliche beim gemeinsamen Essen am Tisch.

2007

Übernahme Max Ernst Museum Brühl

Das Museum, das sich als weltweit erstes und einziges Museum dem vielseitigen, 70 Schaffensjahre umfassenden Werkes des Künstlers widmet, geht in die Trägerschaft des LVR über.

Jugendhilfe Rheinland

Die Jugendheime des LVR werden organisatorisch neu geordnet und unter dem Dach der Jugendhilfe Rheinland zusammengeführt.

2008

Weiterentwicklung der Kinder-und Jugendpsychiatrie in den LVR-Kliniken

Der LVR erarbeitet eine Rahmenkonzeption für die Weiterentwicklung der Bereiche der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in fünf LVR-Kliniken. Hierin werden Maßnahmen zur Verbesserung der Behandlungsstrukturen aufgezeigt, insbesondere der Ausbau stationärer und teilstationärer Kapazitäten sowie die Schaffung von spezialisierten Angeboten. Damit bietet der LVR Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen eine optimale Behandlung im Rahmen ganzheitlicher, integrierter und regional vernetzter Konzepte.

Einführung Persönliches Budget: Geld statt Sachleistung

Seit 2008 gibt es einen Rechtsanspruch für Menschen mit Behinderung auf das Persönliche Budget. Mit dem Geld kann sich die Person mit Behinderung die Unterstützung und Assistenz selbst organisieren. Beispielsweise können Menschen dank der so ermöglichten Unterstützung eines Arbeitsassistenten oder einer Arbeitsassistentin auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß fassen. Anderen wird der Weg aus einem Heim in die eigene Wohnung geebnet.

Eröffnung St. Antony-Hütte in Oberhausen

Das sanierte Wohn- und Kontorhaus der Oberhausener St. Antony-Hütte wird mit einer Dauerausstellung über die Entstehungsgeschichte der ersten Eisenhütte des Ruhrgebiets eröffnet. 2010 folgt die Eröffnung des LVR-Industriearchäologischen Parks.

Fertigstellung LVR-RömerMuseum Xanten

Das preisgekrönte Gebäude im LVR-Archäologischen Park Xanten spiegelt die große Eingangshalle des römischen Stadtbads wieder, über dessen Grundmauern es sich erhebt. Die Ausstellung führt als zeitlicher Rundgang von der Zeit Cäsars bis zu den Franken durch die ereignisreiche römische Geschichte Xantens.

Einrichtung Gedenkstätte Brauweiler

Den Nationalsozialisten dienten einzelne Gebäude auf dem Gelände der damaligen Arbeitsanstalt Brauweiler unter anderem als „Schutzhaftlager“ und Gestapogefängnis. Daran wird mit einer Dauerausstellung erinnert, die dem Gedenken an die Opfer des NS-Regimes in Brauweiler gewidmet ist.

2009

Erweiterung des LVR-Archäologischen Parks Xanten

Ein Großteil der Römerstadt Colonia Ulpia Traiana wird dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Fläche des Parks verdoppelt sich auf rund 60 Hektar.

Zusammenschluss der Kliniken zum LVR-Klinikverbund

Die zehn Fachkliniken des LVR schließen sich zum LVRKlinikverbund zusammen. Die neu gebildeten Klinikvorstände erhalten umfängliche Entscheidungskompetenzen (Motto: So viel dezentral wie möglich, so viel zentral wie nötig).

Eröffnung des LVR-Kulturhauses Landsynagoge Rödingen

Die 1841 errichtete Landsynagoge Rödingen ist zusammen mit dem Wohnhaus der jüdischen Familie Ullmann das einzige, weitgehend im Originalzustand erhaltene Gebäudeensemble dieser Art im westlichen Rheinland. Nach behutsamer Restaurierung bildet es den Rahmen für eine Präsentation der Geschichte und Kultur des rheinischen Landjudentums.

Inklusion als Leitziel

Auch der LVR hat sich vor dem Hintergrund der neu in Kraft getretenen Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN) der Menschenrechtsfrage zu stellen und macht in Politik und Verwaltung den Grundsatz der Inklusion zum Leitziel. Im Jahr 2012 übernimmt LVR-Direktorin Ulrike Lubek die Gesamtsteuerung zur UN-Behindertenrechtskonvention im LVR und benennt eine zentrale Anlaufund Koordinierungsstelle in ihrem Stab.

2010

Einführung der Inklusionspauschale für allgemeine Schulen

Um Kindern und Jugendlichen mit Behinderung den Besuch einer allgemeinen Schule zu ermöglichen, bietet der LVR Schulträgern allgemeiner Schulen mit der Inklusionspauschale auf freiwilliger Basis Unterstützung an: zum Beispiel bei Umbaumaßnahmen, der Anschaffung von technischen Hilfsmitteln oder bei den Personalkosten.

Neuauflage Gesamtinvestitions- und Finanzierungsprogramm

In Folge der Zielplanungen für die LVR-Kliniken wird ein Investitionsprogramm in Höhe von 492 Millionen Euro zur Realisierung aller vorab geplanten baulichen Maßnahmen im LVR-Klinikverbund aufgelegt.

2010/11

Gründung ambulanter Pflegedienste in LVR-HPH-Netzen

In den LVR-HPH-Netzen West und Niederrhein werden ambulante Pflegedienste gegründet, um geistig behinderten Menschen Unterstützung auch außerhalb von Wohnheimstrukturen anbieten zu können.

2011

Übernahme von Vollzugsaufgaben des ThUG

Aufgaben des Vollzugs des Therapieunterbringungsgesetzes (ThUG) werden auf die Direktorin des Landschaftsverbands Rheinland übertragen.

2012

Einrichtung der Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder

An die Anlauf- und Beratungsstelle können sich ehemalige Heimkinder wenden, die noch heute unter den Folgen der Heimerziehung in den Jahren 1949 bis 1975 leiden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen sie bei der Beantragung von Leistungen und bei psychosozialen Anliegen. Bereits 2009 wurde eine Hotline für ehemalige Heimkinder eingerichtet, 2010 veröffentlichte der LVR eine Studie, die die Geschehnisse in LVR-Einrichtungen sowie die Rolle des LVR als Heimaufsicht im Rheinland beleuchtet.

Landesregierung beschließt Bestandsgarantie für Landschaftsverbände

Die neue Landesregierung Nordrhein-Westfalen verankert in ihrer Koalitionsvereinbarung einen Bestandsschutz für die Landschaftsverbände als höhere Kommunalverbände.

2013

LVR heute:
Lebendig. Vielseitig. Richtungsweisend.

Der LVR beschäftigt rund 16 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Haushaltsplan sind Ausgaben von rund 3,4 Milliarden Euro vorgesehen.

Endpunkt
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